Berufliche Unzufriedenheit: Wenn es eigentlich keinen guten Grund gibt zu gehen

Berufliche Unzufriedenheit wäre manchmal leichter, wenn wirklich alles schlecht wäre. Wenn du jeden Morgen mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehst. Deine Führungskraft unerträglich ist. Das Gehalt schlecht und die Aufgaben langweilig.

Dann wäre zumindest die Frage klar: Warum sollte ich hierbleiben?

Schwieriger wird es, wenn vieles durchaus okay ist und dein Job sogar objektiv gut. Das Gehalt stimmt. Vielleicht hast du flexible Arbeitszeiten, nette Kolleginnen und Kollegen oder gute Entwicklungsmöglichkeiten. Von außen betrachtet gibt es wenig Grund, sich zu beschweren.

Genau dann beginnen häufig die Zweifel an der eigenen Wahrnehmung: Erwarte ich zu viel? Sollte ich nicht einfach froh sein, so einen sicheren Job zu haben?

Die Vorteile deines Jobs werden dann schnell zu Argumenten gegen deine eigene Unzufriedenheit. Doch ein Job muss nicht schlecht sein, damit er nicht mehr zu dir passt.

Sicherheit ist ein wichtiger Wert – aber nicht der einzige

Sicherheit spielt bei beruflichen Entscheidungen eine große Rolle. Ein regelmäßiges Einkommen gibt Planungssicherheit. Ein unbefristeter Vertrag schützt vor Unsicherheit. Nach vielen Jahren weißt du, wie dein Unternehmen funktioniert und was von dir erwartet wird.

Problematisch wird es erst, wenn Sicherheit zum wichtigsten Argument dafür wird, in einer Situation zu bleiben, die dich dauerhaft unzufrieden macht. Denn neben Sicherheit gibt es noch andere Bedürfnisse. Zum Beispiel:

  • Gestaltungsspielraum
  • Kreativität
  • Entwicklung
  • Sinn
  • Autonomie
  • Wertschätzung
  • Gute Beziehungen
  • Wirksamkeit
  • Abwechslung

Welchen Stellenwert diese Bedürfnisse für dich haben, ist individuell. Vielleicht hast du lange gedacht, Sicherheit sei besonders wichtig für dich. Und irgendwann merkst du, dass dir inzwischen Freiheit oder Gestaltungsspielraum fehlen.

Was hält dich – und was zieht dich?

Wenn du über einen beruflichen Wechsel nachdenkst, konzentrierst du dich möglicherweise vor allem auf die Gründe zu gehen: Was nervt mich? Was fehlt mir? Was möchte ich nicht mehr?

Mindestens genauso interessant ist aber die andere Seite: Warum bin ich noch hier?

Wenn du weißt, was dich hält, kannst du genauer prüfen: Ist dieser Grund für mich noch wichtig genug, um dafür das in Kauf zu nehmen, was mir fehlt?

Früher waren ein gutes Gehalt und ein klarer Weg deine wichtigsten Kriterien. Heute merkst du, dass dir Kreativität, Sinn oder Freiheit fehlen. Deine Bedürfnisse dürfen sich verändern und du deine bisherigen beruflichen Entscheidungen überprüfen.

Woran merkst du, dass dein Job nicht mehr zu dir passt?

Nicht jede Phase beruflicher Unzufriedenheit bedeutet, dass du kündigen solltest. Jobs haben anstrengende Phasen und Projekte können zeitweise belastend sein. Bevor du dich entscheidest, solltest du dich mit deiner aktuellen Situation und deiner Unzufriedenheit auseinandersetzten: 

  • Seit wann bin ich unzufrieden?
  • Was genau fehlt mir?
  • Habe ich versucht, daran etwas zu verändern?
  • Welche meiner Bedürfnisse kommen dauerhaft zu kurz?
  • Welche Seiten von mir kann ich in meiner Arbeit kaum noch leben?
  • Was gibt mir mein Job – und was kostet er mich?
  • Würde ich mich heute noch einmal bewusst für diese Stelle entscheiden?

Gerade die letzte Frage kann interessant sein. Denn oft bleiben wir nicht, weil wir den Job heute noch einmal wählen würden – wir bleiben, weil wir ihn irgendwann einmal gewählt haben.

Ein guter Job ist nicht automatisch ein guter Job für dich

Genau diese Erfahrung hat auch Stefanie gemacht. Nach außen sprach vieles für ihren Job als UX/UI-Designerin: Er war sicher, modern, gut bezahlt und bot ihr Möglichkeiten, sich fachlich weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig fühlte sich ihre Arbeit schon lange nicht mehr stimmig an. Trotzdem fiel es ihr schwer zu gehen. Die Sicherheit, das Gehalt und ihre Loyalität gegenüber dem Unternehmen hielten sie lange fest.

Im Online-Programm „Mit Klarheit in deine berufliche Zukunft“ setzte sie sich damit auseinander, was sie in ihrer Arbeit wirklich braucht. Dabei wurde ihr klar, wie wichtig Freiheit, Kreativität, menschliche Verbindung und das Gefühl von Wirksamkeit für sie sind. Stefanie beschrieb ihre Situation später selbst sehr treffend:

„Es war eigentlich eher wie so ein Käfig, in dem ich vermeintlich schöne Vorteile hatte, wie auch mehr Gehalt. Aber am Ende hat es mir nichts gegeben.“

Hier kannst du nachlesen, wie Stefanie ihre berufliche Neuorientierung erlebt hat und warum sie heute sagt: „Ich fühle mich einfach lebendiger nach dem Kurs.“

→ Zu Stefanies Erfahrungsbericht

Im nächsten Artikel erkläre ich dir, warum du nicht sofort kündigen musst, wenn du dich beruflich festgefahren fühlst. Genau das, hat Annemarie erlebt, bevor sie in mein Programm “Mit Klarheit in deine berufliche Zukunft” kam.

Sie befand sich wie in einem Freeze-Modus und hat im Kurs ihren Handlungsspielraum wiederentdeckt und ihren Job wieder stärker nach ihren Bedürfnissen ausgerichtet.

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Über mich

Ich bin Giulia Barile – Diplom-Soziologin, systemische Supervisorin und Coach (DGSv) sowie wingwave Coach. Seit mehr als zwölf Jahre begleite ich Menschen und Organisationen in beruflichen Entwicklungs- und Veränderungsprozessen.

In meinem Blog schreibe ich über berufliche Zufriedenheit, Selbstführung und die leisen wie lauten Fragen des Berufslebens.

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