Beruflich unzufrieden trotz Erfolg? Vielleicht bist nicht du das Problem

Beruflich erfolgreich zu sein bedeutet nicht automatisch auch zufrieden zu sein. Du kannst gut sein in dem, was du tust. Und trotzdem kann es sich nicht mehr stimmig anfühlen. Du merkst, dass dich bestimmte Situationen immer mehr Kraft kosten, du dich häufiger ärgerst oder dich irgendwie ausgebremst fühlst.

Also beginnst du nachzudenken: Liegt es an mir? Bin ich zu anspruchsvoll? Muss ich mich verändern?

Selbstreflexion ist wichtig. Gerade wenn etwas nicht gut läuft, lohnt es sich zu schauen, welchen Anteil wir selbst daran haben. Aber Selbstreflexion hat auch eine Grenze. Denn nicht jedes berufliche Problem lässt sich dadurch lösen, dass du an dir arbeitest.

Berufliche Unzufriedenheit hat nichts mit beruflichem Scheitern zu tun

Wenn wir über berufliche Neuorientierung sprechen, entsteht schnell das Bild von einer Person, die im falschen Beruf gelandet ist. Jemand, die ihren Job nicht mag. Die nicht erfolgreich ist. Oder der schon lange weiß: Das hier ist einfach nichts für mich.

Doch so eindeutig ist berufliche Unzufriedenheit oft nicht. Du kannst deine Arbeit mögen und trotzdem unzufrieden sein. Du kannst etwas sehr gut können und trotzdem merken, dass du es unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr machen möchtest. Du kannst erfolgreich sein und gleichzeitig das Gefühl haben, am falschen Ort zu sein.

Vielleicht liegt genau darin sogar eine besondere Schwierigkeit. Denn wenn von außen vieles gut aussieht, wird es schwerer, die eigene Unzufriedenheit ernst zu nehmen.

Aber berufliche Zufriedenheit entsteht nicht allein dadurch, dass wir etwas gut können. Wichtig ist auch, unter welchen Bedingungen wir arbeiten können und wollen.

Wenn du anfängst, den Fehler bei dir zu suchen

Gerade reflektierte Menschen schauen bei Problemen häufig zuerst auf sich selbst. Das ist grundsätzlich eine Stärke.

Du fragst dich: Was kann ich anders machen? Wie kann ich besser kommunizieren? Wo kann ich mich weiterentwickeln? Was kann ich aus der Situation lernen?

Das Problem entsteht dann, wenn aus Selbstreflexion langsam Selbstzweifel werden. Wenn du immer wieder versuchst, dich an einen Kontext anzupassen, der vielleicht gar nicht (mehr) zu dir passt.

Und trotzdem bleibt dieses Gefühl: Irgendetwas stimmt hier nicht.

Dein Job besteht aus mehr als deinen Aufgaben

Wenn wir darüber nachdenken, ob ein Beruf zu uns passt, schauen wir oft zuerst auf die Tätigkeit: Mag ich, was ich tue? Kann ich es gut? Interessiert es mich?

Aber ein Job besteht aus viel mehr als seinen Aufgaben. Auch die Rahmenbedingungen entscheiden darüber, ob wir uns in unserer Arbeit wohlfühlen.

Zum Beispiel:

  • Wie werde ich geführt?
  • Wie viel Gestaltungsspielraum habe ich?
  • Wie werden Entscheidungen getroffen?
  • Wie wird mit Fehlern und Konflikten umgegangen?
  • Wie viel Vertrauen erlebe ich?
  • Kann ich meine Stärken tatsächlich einsetzen?
  • Wie viel Autonomie brauche ich?
  • Welche Werte werden im Unternehmen gelebt?
  • Wie erleben wir Zusammenarbeit?
  • Habe ich das Gefühl, mit meiner Arbeit etwas bewirken zu können?

Du kannst fachlich genau am richtigen Platz sein und trotzdem in einem Umfeld arbeiten, das nicht zu dir passt. Und manchmal verändert sich dieses Verhältnis auch erst mit der Zeit.

Vielleicht hast du dich weiterentwickelt und neue Kompetenzen aufgebaut. Oder du brauchst heute andere Rahmenbedingungen als vor fünf oder zehn Jahren.

Dann muss nicht zwangsläufig dein Beruf falsch sein – vielleicht passt nur der Ort nicht mehr.

Vielleicht hast du dich verändert und weiterentwickelt

Berufliche Entwicklung bedeutet nicht nur, neue Fähigkeiten zu lernen oder die nächste Karrierestufe zu erreichen.

Wir verändern uns auch in dem, was wir von unserer Arbeit erwarten. Was früher ausreichend war, ist es vielleicht heute nicht mehr. Eine klare Struktur, die dir früher Sicherheit gegeben hat, fühlt sich heute womöglich einengend an. Eine Rolle, in der du lange zufrieden warst, bietet dir vielleicht keine Entwicklung mehr. Ein Umfeld, in das du früher gut gepasst hast, passt nicht mehr zu der Person, die du heute bist.

Das heißt nicht automatisch, dass mit dem Unternehmen etwas falsch ist. Und es heißt auch nicht, dass mit dir etwas falsch ist. Es kann schlicht bedeuten: Es passt nicht mehr.

Ich finde diesen Gedanken wichtig. Denn wir bewerten berufliche Unzufriedenheit schnell als Problem, das gelöst werden muss. Dabei kann sie auch ein Hinweis auf Entwicklung sein.

Vielleicht zeigt dir deine Unzufriedenheit gerade, dass sich deine Bedürfnisse verändert haben.

Was brauchst du, um gut arbeiten zu können?

Bei einer beruflichen Neuorientierung finde ich deshalb nicht nur die Frage wichtig: „Was möchte ich beruflich machen?“ Mindestens genauso wichtig ist: „Unter welchen Bedingungen möchte ich arbeiten?“

Denn vielleicht brauchst du gar keinen komplett neuen Beruf. Wenn du deine Bedingungen kennst, kannst du berufliche Möglichkeiten viel genauer prüfen.

Dann geht es nicht mehr nur darum, ob du diesen Job machen willst oder kannst, sondern auch, ob du dort so arbeiten, wie du arbeiten möchtest. Das ist ein entscheidender Unterschied.

Berufliche Neuorientierung heißt nicht immer: neuer Beruf

Gerade wenn du grundsätzlich gerne tust, was du tust, lohnt sich ein genauerer Blick.

Genau diese Erfahrung hat auch Julia gemacht. Als sie in mein Online-Programm „Mit Klarheit in deine berufliche Zukunft“ kam, war sie beruflich erfolgreich. Sie war sichtbar, gefragt und wirksam – und trotzdem zunehmend frustriert. Lange suchte sie die Ursache zunächst bei sich selbst: Sie reflektierte, holte Feedback ein und fragte sich, ob sie anders kommunizieren oder sich weiterentwickeln müsse.

Irgendwann kam eine andere Erkenntnis hinzu:

„Vielleicht bin ich ja nicht falsch und meine Aufgabe nicht falsch. Vielleicht bin ich gerade am falschen Ort.“

Im Programm gewann Julia mehr Klarheit darüber, welche Bedingungen sie braucht, um gut arbeiten zu können: unter anderem Autonomie, Wirksamkeit und ein Umfeld, das ihre Arbeit unterstützt. Bei neuen Möglichkeiten ging es für sie deshalb nicht darum, einfach nur wegzukommen. Sondern genauer zu prüfen: Passt dieser Ort wirklich zu mir?

Hier kannst du nachlesen, wie Julia diesen Prozess erlebt hat und warum sie heute sehr viel klarer darin ist, was sie beruflich nicht mehr hinnehmen möchte.

→ Zu Julias Erfahrungsbericht

Im nächsten Artikel erkläre ich dir, warum viele berufliche Möglichkeiten nicht immer hilfreich sind. Denn je mehr Möglichkeiten du vergleichst, desto mehr Entscheidungen musst du treffen. Und plötzlich fühlt sich das, was eigentlich Freiheit bedeuten sollte, eher wie Orientierungslosigkeit an.

Genau das, hat Claudia erlebt, bevor sie in mein Programm “Mit Klarheit in deine berufliche Zukunft”. Während der Zusammenarbeite entwickelte sie eine konkrete Richtung, einen Plan B und eine Möglichkeit, die zu ihrer Lebensrealität passt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über mich

Ich bin Giulia Barile – Diplom-Soziologin, systemische Supervisorin und Coach (DGSv) sowie wingwave Coach. Seit mehr als zwölf Jahre begleite ich Menschen und Organisationen in beruflichen Entwicklungs- und Veränderungsprozessen.

In meinem Blog schreibe ich über berufliche Zufriedenheit, Selbstführung und die leisen wie lauten Fragen des Berufslebens.

Aktuelles

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.

Newsletter

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.

Weitere Artikel
Suche