Du brauchst keinen perfekten Plan für deine berufliche Neuorientierung

Wie lange denkst du schon darüber nach dich beruflich verändern zu wollen? Und welche Gedanken verfolgen dich dabei? In meiner Praxis erlebe ich oft, dass Monate oder sogar Jahre vergehen bis eine Veränderung wirklich umgesetzt wird.

Vielleicht schaust du immer mal wieder nach Stellen und hast sogar schon Bewerbungen geschrieben oder Gespräche geführt. Und dann passiert wieder eine Weile nichts und der Alltag kommt dazwischen. Nicht unbedingt, weil dir das Thema nicht wichtig ist, sondern weil du das Gefühl hast, erst genau wissen zu müssen, wohin du willst, bevor du wirklich losgehen kannst. 

Dabei brauchst du für deine berufliche Neuorientierung nicht von Anfang an den perfekten Plan. Manchmal entsteht Klarheit erst dadurch, dass du dich bewegst.

Der Wunsch nach Klarheit kann dich ausbremsen

Klarheit ist wichtig. Natürlich möchtest du nicht einfach irgendeinen Job annehmen und hoffen, dass es schon irgendwie passt.

Du möchtest eine gute Entscheidung treffen. Du möchtest wissen, worauf du dich einlässt.

Und wenn du schon länger unzufrieden bist, ist der Wunsch verständlich, dass der nächste Schritt möglichst richtig sein soll.

Das Problem entsteht dann, wenn du glaubst, dass du erst losgehen darfst, wenn du genau weißt, wo du ankommen willst. Dann wird berufliche Neuorientierung schnell zu einer riesigen Aufgabe.

Du sollst plötzlich wissen:

  • Welcher Beruf passt zu mir?
  • Welche Branche ist die richtige?
  • Welche Rolle möchte ich?
  • Welche Weiterbildung brauche ich?
  • Was ist langfristig die beste Entscheidung?
  • Und wie kann ich sicher sein, dass ich mich nicht irre?

Auf viele dieser Fragen gibt es keine Antwort, die du allein durch Nachdenken finden kannst.

Manche Antworten entstehen erst durch Erfahrung

Wir versuchen berufliche Entscheidungen oft am Schreibtisch zu lösen.

Wir recherchieren, lesen Stellenanzeigen, machen Listen, vergleichen Möglichkeiten und denken ständig dieselben Szenarien durch.

Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem weiteres Nachdenken keine neuen Informationen mehr liefert. Denn manche Dinge kannst du erst beurteilen, wenn du sie ausprobierst.

Vielleicht klingt ein Beruf spannend, bis du mit jemandem sprichst, der ihn tatsächlich ausübt. Vielleicht hältst du dich für eine bestimmte Stelle nicht für qualifiziert und stellst im Gespräch fest, dass dein Profil viel besser passt, als du dachtest. Vielleicht glaubst du, eine neue Aufgabe könnte dir gefallen, und merkst erst durch ein kleines Projekt, ob das wirklich stimmt.

Klarheit entsteht deshalb nicht nur durch Reflexion – sie entsteht auch durch Erfahrung.

Bewegung liefert dir neue Informationen

Ein nächster Schritt muss nicht sofort die Lösung sein. Er kann auch einfach dazu dienen, etwas herauszufinden. Zum Beispiel:

  • ein Gespräch mit jemandem aus einer interessanten Branche führen,
  • dich auf eine Stelle bewerben, obwohl du noch nicht sicher bist,
  • eine Weiterbildung genauer prüfen,
  • einen Nebenjob oder ein Projekt ausprobieren,
  • intern eine andere Aufgabe übernehmen,
  • ein Unternehmen kennenlernen,
  • mit Menschen sprechen, die bereits einen ähnlichen Wechsel gemacht haben.

Jeder dieser Schritte liefert dir Informationen, die du vorher nicht hattest und aus vielen vagen Gedanken, kann so langsam eine konkretere Richtung werden.

Der erste Schritt muss nicht perfekt sein

Gerade wenn du lange über eine berufliche Veränderung nachgedacht hast, entsteht schnell der Anspruch: Jetzt muss ich es aber richtig machen.

Schließlich willst du nicht noch einmal Jahre in einer Situation verbringen, die nicht zu dir passt. Aber genau dieser Anspruch kann dazu führen, dass du gar nichts machst.

Denn welcher Schritt ist schon so sicher, dass du vorher weißt, wohin er führt?

Der erste Schritt muss nicht perfekt sein – er muss nur gut genug sein, um dich weiterzubringen. Und dann darfst du unterwegs nachjustieren.

Vielleicht stellst du fest, dass eine Idee doch nicht zu dir passt. Dann war der Schritt trotzdem nicht umsonst. Vielleicht entdeckst du durch einen Nebenjob oder ein Projekt eine Fähigkeit, die du dir vorher gar nicht zugetraut hast. Vielleicht bewirbst du dich auf eine Stelle und merkst im Gespräch, dass dich eigentlich ein ganz anderer Teil der Tätigkeit interessiert.

Auch das ist Fortschritt.

Ein kleiner Schritt kann dein Selbstvertrauen verändern

Beim Ausprobieren geht es nicht nur darum, Informationen über mögliche Jobs zu sammeln. Du sammelst auch Informationen über dich selbst.

Gerade wenn du viele Jahre in derselben Rolle oder demselben Beruf gearbeitet hast, kann das wichtig sein. Denn häufig ist nicht nur unklar, was du zukünftig machen möchtest. Du bist vielleicht auch unsicher, ob du überhaupt noch etwas Neues kannst.

Dann kann eine konkrete Erfahrung viel stärker wirken als der Versuch, dich selbst davon zu überzeugen.

Was kannst du ausprobieren, ohne schon alles zu entscheiden?

Wenn du gerade auf den perfekten Plan wartest, können dir diese Fragen helfen:

  • Welche berufliche Idee interessiert mich genug, um sie genauer zu prüfen?
  • Welche Frage versuche ich gerade nur durch Nachdenken zu beantworten?
  • Welche Erfahrung könnte mir dabei helfen, eine Antwort zu finden?
  • Was könnte ich ausprobieren, ohne mich sofort langfristig festzulegen?
  • Welcher kleine Schritt wäre realistisch in meinem aktuellen Alltag?

Vielleicht musst du noch nicht wissen, wo du am Ende landest. Vielleicht reicht es erst einmal zu wissen, wo du als Nächstes hinschauen möchtest.

Klarheit entsteht manchmal erst, wenn du losgehst

Genau diese Erfahrung hat auch Anne gemacht.

Als sie in mein Online-Programm „Mit Klarheit in deine berufliche Zukunft“ kam, beschäftigte sie sich bereits seit drei bis vier Jahren mit dem Gedanken, sich beruflich zu verändern. Sie schob das Thema immer wieder auf. Im Kurs veränderte sie ihre Einstellung:

„Dinge zu tun, auch wenn man noch nicht genau weiß wohin, aber einfach mal machen, einfach mal loslegen.“

Hier kannst du nachlesen, wie Anne ihre berufliche Neuorientierung erlebt hat und warum sie heute nicht mehr darauf wartet, schon am Anfang den perfekten Plan zu kennen.

→ Zu Annes Erfahrungsbericht

Im nächsten Artikel erkläre ich dir, warum der nächste Job nicht für immer passen muss. Dieser Anspruch kann in der beruflichen Neuorientierung zusätzlich Druck erzeugen, dich blockieren und dazu führen, dass du dich gar nicht entscheidest.

Genau das, hat Lena erlebt bevor sie in mein Programm “Mit Klarheit in deine berufliche Zukunft” kam. Während der Zusammenarbeite erkannte sie:

„Ich muss noch nicht sofort die eine richtige Lösung haben.“

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Über mich

Ich bin Giulia Barile – Diplom-Soziologin, systemische Supervisorin und Coach (DGSv) sowie wingwave Coach. Seit mehr als zwölf Jahre begleite ich Menschen und Organisationen in beruflichen Entwicklungs- und Veränderungsprozessen.

In meinem Blog schreibe ich über berufliche Zufriedenheit, Selbstführung und die leisen wie lauten Fragen des Berufslebens.

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